Mittwoch, 8. November 2017

Der heilige St. Martin

Der 11. November ist der Namenstag des heiligen St. Martin

Schon ab dem 7. November ziehen in den Gemeinden, die das Andenken an diesen Heiligen hochhalten, die Martinszüge. Ich erinnere mich sehr gern daran, ich stamme aus Düsseldorf. Aus der Eifel berichtet Sophie Lange darüber


Der Martinsumzug zum 11. November gehört wohl zu den schönsten Kindheitserinnerungen. Stolz marschierten wir mit unserer aus einer Rübe geschnittenen Laterne durch die dunklen Straßen. Aber es gab auch Enttäuschungen. So sangen wir jedes Jahr voller Überzeugung: “Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind ...“ Doch nie fiel je eine einzige Schneeflocke zu Ehren des Heiligen. Wenn wir weiter schmetterten „ ... sein Ross das trug ihn fort geschwind“, so stimmte das auch nicht. Denn der schwere Ackergaul, den der Heilige sich bei einem Dorfbauern ausgeliehen hatte, schleppte sich nach einem harten Arbeitstag mühsam Tritt für Tritt über Stock und Stein. Nichts von einem rasenden Pferdegalopp zu bestaunen. Doch nach dem Umzug durchs Dorf entschädigte ein Weckmann mit Tonpfeife und Korinthenaugen für den fehlenden Schnee und das entfallene Pferdeevent. Sankt Martin höchstpersönlich überreichte jedem Kind einen kleinen Mann aus süßem Weck. Dass man dem Weckmann heute die Pfeife streitig machen will, betrübt das Traditionsmännchen. Es raucht doch gar nicht, es tut nur so.
Mit Inbrunst sangen wir besonders das alte Lied: „Der hellige Zinte Mäten, dat es ne gode Mann.“ Das Lied erinnert an die Zeit, als das Martinsbrauchtum - Umzug und Feuer  -  noch nicht organisiert war. Kinder zogen in kleinen Gruppen durch die Straßen mit ihren „Fackele“. Jugendliche kümmerten sich um lokale Martinsfeuer, wobei es häufig zu Streitereien „rivalisierender Gruppen“ kam. Dann gab es oft wilde Schlägereien. Und nur so ist die Refrainzeile Butzwidibutz - „Butz, wider Butz“ zu verstehen, Schlag wider Schlag, wie du mir so ich dir, Aug um Aug, Zahn um Zahn.  Schon manche harmlose Rauferei ist bei dem Feueranzünden oder der Feuerwache in eine handfeste Prügelei ausgeartet. Schließlich nahmen Lehrer sich des Problems an, organisierten die traditionellen Umzüge und die Martinsfeuer und sorgten dafür,  dass Butz wider Butz-Schlägereien  unterblieben.

Beim Rundgang durch die Straßen erbettelten die Kinder an den Häusern Heischegaben. Dabei trugen sie in einer Art Sprechgesang vor:

Hier wohnt ein reicher Mann,
der uns was geben kann.
Viel soll er geben,
lange soll er leben,
lasst uns nicht zu lange stehn
denn wir müssen weiter gehn.

In einem Bericht der Dichterin Clara Viebig zum Martinsabend am Niederrhein von 1894 sind schon diese Zeilen aufgeführt und sie haben sich bis heute erhalten.

Dass Martin wirklich ein guter Mann war, zeigt sich daran, dass er oft wie in dem obigen Lied doppelt-gemoppelt heilig gesprochen wird, denn Sankt oder Zinte heißt ja nichts anders als der Heilige: Der heilige Heilige Martin. Ja, „ene gode Mann“ kann nie heilig genug sein!

In der Erinnerung singen wir leise vor uns hin:

Der hellige Zinte Mäeten,
dat es ne gode Mann,
der gitt de Kenger Käezche
un stich se selver aan.
Butz butz butzwidibutz,
dat es ne gode Mann;
Der hellige Zinte Mäeten
gitt, wat'e gevve kann.

Der hellige Zinte Mäeten,
der kütt och hück zo us,
dröm go'mer met de Fackele,
et freut sich Kleen un Gruß.
But butz butzwidibutz,
der Summer der es us.
Der hellige Zinte Mäeten,
der kritt de letzte Struuß.

Der hellige Zinte Mäeten,
der rick lans jede Dür
un sähnt do Hus on Hätze
de Früut  en Schobb un Schür.
(Frucht in Schober und Scheune)
Butz butz butzwidibutz
hä brengk et Wenkterfür,
der hellige Zinte Mäeten
hält Minsche wärm un Dier.

Der hellige Zinte Mäeten
kütt immer huh zu Päed;
hä steht en huhe Ihre
em Himmel un ob Äed.
Butz butz butzwidibutz
d'n Düvel trifft sii Schwäet;
der hellige Zinte Mäeten,
der es wal lobenswäet.

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