Sonntag, 12. November 2017

Vom Lebensmotto


Angesichts der tagelangen Sondierungsspräche fragt man sich: Wird das klappen?
Sophie Lange hat dazu ein Motto für uns: Et het noch immer joot jegange


„Ich habe gelesen, dass Merkel ihr politisches Motto ‚Wir schaffen das‘ auch privat einsetzt“, weiß Onkel Bert in der Familienrunde zu berichten.
„Wie soll ich mir das denn vorstellen?“, überlegt Tante Luzie. Sie lässt ihre Fantasie spielen: Da sieht es in Merkel-Sauers Küche aus wie bei Hempels unterm Sofa. Schmutziges Geschirr von drei Tagen stapelt sich in der Spüle. Ehemann Sauer ist sauer, aber Angela krempelt die Ärmel hoch, spuckt in die Hände und ran ans Werk: Wir schaffen das.
Ja, so ist sie, unsere Angela.  

Dass eine ganze Stadt und ein ganzer Landstrich das gleiche Lebensmotto haben, das gibt es nur bei uns. Hier lautet die Anmerkung zu nichts und allem: „Et hät noch emmer jot jegange“. Als 2009 das Kölner Stadtarchiv einstürzte, tausende wertvolle Annalen vernichtet oder beschädigt wurden, zwei Menschen zu Tode kamen, blieben die Kölner ihrem Motto treu: Et hät noch immer jot jegange. Und wenn man als Fremder irritiert fragte: „Wiesu datt dann?“, kam prompt die Antwort.
„Der Dom steht doch noch.“
Und Jonas kommentierte mit seinem Lebensmotto: „Schlimmer geht immer“. In allem etwas Gutes sehen, das hat schon  die Gruppe Abba in ihrem Song „I believe in angels“ gesungen: „Something good in everything I see.“
Ja, so sind sie, die Optimisten vom Rhein  und anderswo.

In der Eifel setzt man noch einen drauf. Als vor langer Zeit bei einem Großbrand das halbe Dorf abbrannte, soll ein Eifeler Schlitzohr gesagt haben: „Et hät  noch emmer jot jejange – Pastuur si Hus (Haus) es met verbrannt.“ Schadenfreude ist bekanntlich die größte Freude. Wenn es die kleinen Leute trifft, sollen auch die hohen geistlichen Herren nicht verschont bleiben.
Ja, so ist es, das fromme Völkchen der Eifel.

Nun schlug man in der Runde vor, dass jeder sein persönliches Lebensmotto kundtat. Die Jugend war sich einig: No risk, no fun. Die ältere Generation hat die Nase voll von Risiko und von Spaß ebenfalls. Sie hat die Erfahrung gemacht. „Das Leben ist kostbar, gehe vorsichtig damit um.“ Anschließend wurde Einstein zitiert: „Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die du für Geld bekommst.“ Johannes,  Patriarch der Familie, hält Geld jedoch für das wichtigste Lebenselixier. So hat er seinem Nachwuchs das Motto eingeimpft: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“
Sein Filius hält es jedoch eher mit der Ironie: „Spare in der Not, dann hast du Zeit dazu.“ Oma Lieschen hat ihren Wahlspruch eingerahmt im Flur hängen: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Wie oft hat sie in ihrem langen Leben sinnend vor diesen tröstenden Worten gestanden!
Ja, so sind sie, die ewig Hoffenden.

Der sangesfreudige Onkel Eduard hat einen alten Schlagertext auf seine Lebensfahne geschrieben: „Sei zufrieden mit dem Heute, wenn es dich auch wenig freut.“ Und schon schmettert er die rührselige Schnulze vom Anfang bis zum bitteren Ende: „Jeder hat doch seine Sorgen, wer nicht Sorgen hat, ist tot.“ Die stets heitere Tante Emma überrascht mit dem Motto aus ihrem Poesiealbum aus Mädchentagen: „Lebe lustig, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh.“

Ja, so sind sie, die Lebenskünstler unter uns.




Kommentare:

  1. Und noch ein Lebensmotto des Kölners: Et kütt wie et kütt.

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    1. Das sage ich auch als Düsseldorferin - mal gucken - wie's wird

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